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44 - Kleinkölnstraße

Die Freien Gewerkschaften werden zerschlagen

Eine dreimonatige Terrorwelle ging der Zerschlagung der Freien Gewerkschaften in der Region Aachen voraus. Der Reichstagbrand am 28. Februar 1933 lieferte nicht nur den Vorwand, den Terror gegen die Kommunisten zu verstärken, sondern es wurde auch sofort eine Verbindung zu Sozialdemokraten (und damit auch zu den Freien Gewerkschaften) konstruiert. Das Westdeutsche Grenzblatt titelte am 1. März: „Hitlers Ausrottungsfeldzug gegen den Bolschewismus. […] Der Täter gesteht seine Verbindung mit der SPD. […] Jetzt geht’s dem Mordgesindel an den Kragen.“ Auf der gleichen Seite vermeldete das NSDAP-Blatt: „Aachener Polizeipräsident abberufen“, so dass allen klar war, dass nun auch die Aachener Polizei auf der Seite der Nazis stand.

Mit dem Ziel, Angst und Schrecken zu verbreiten, führten Polizei und SA-Männer, die als Hilfspolizisten fungierten, regelmäßig Razzien in Privatwohnungen von Gewerkschaftern und bei den Organisationen der Arbeiterbewegung durch. Immer wieder wurden dabei Verbindungen zwischen Sozialdemokraten, Reichsbanner, Eiserner Front, Gewerkschaftern und Kommunisten hergestellt; so z. B. bei der Aushebung einer „kommunistischen Zentrale“ in Aachen.

Für diesen Terror konnten Polizei, SA und SS auf lange vorbereitete Listen zurückgreifen. Bereits im Februar 1933 ließ der Höhere Polizeiführer im Westen, eingesetzt vom preußischen Innenminister Hermann Göring, Listen von SPD-, Reichsbanner-, Eiserne Front- und Gewerkschaftsfunktionären anlegen, obwohl diese Organisationen noch nicht verboten waren.

Dann kam der 1. Mai, der 1933 als „Tag der nationalen Arbeit“ begangen wurde.

Alle beteiligten sich an den Maifeierlichkeiten: Aachener Arbeitgeberverbände und Bischöfe veröffentlichten Aufrufe, die Belegschaften mussten geschlossen vor ihren Betrieben antreten und marschierten dann zu den Festplätzen, Turn-, Schützen und andere Vereine marschierten mit, Gottesdienste leiteten die Feierlichkeiten ein. Und die Medien feierten mit: Aufrufe und die Feierprogramme erschienen im Vorlauf, mehrseitige Berichte über die Feierlichkeiten in Berlin, in den Städten und Dörfern der Region erschienen noch Tage nach der Propagandashow in den Zeitungen.

Am nächsten Tag, dem 2. Mai 1933, wurden die Freien Gewerkschaften zerschlagen. SA-Männer besetzen die Gewerkschaftshäuser in Aachen, Düren und Stolberg, die anwesenden Gewerkschafter wurden – wie in Aachen – verhaftet oder nach Hause geschickt. Die legale Gewerkschaftsorganisation hörte auf zu bestehen. Die Zeitungen berichteten zwar über den „Einbau der Gewerkschaften in den Staat“ oder den „Schlag gegen die Gewerkschaften“, jedoch nur aus Berlin, kaum über die Vorgänge in der Region. Immerhin vermeldete der Westdeutsche Beobachter, dass der Aachener „Elektro-Monteur“ Rudolf Schmeer Stellvertreter Robert Leys als Vorsitzender des Aktionskomitees zum Schutz der deutschen Arbeit geworden sei.

Die systematische Diskreditierung von Gewerkschaftern, Gewerkschaften und den ihnen nahestehenden Organisationen war ein Ziel der Medienkampagne, die dem 2. Mai 1933 folgte. Von „aufsehenerregenden Enthüllungen“ war zwar die Rede, aber in einem Artikel des Westdeutschen Grenzblattes wurde die Enttäuschung darüber geäußert, dass keine großen Vermögenswerte einkassiert werden konnten.

Aus: Engels/Faridi, Zwischen Anpassung und Terror – die Zerschlagung der Gewerkschaften in der Aachener Region am 2. Mai 1933, Aachen 2013.