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15 - Grüner Weg/Lombardenstraße

Das Lager

Am Grünen Weg waren 1885 Holzbaracken errichtet worden, die nach einander als Seuchenlazarett, als Kaserne und Ende der zwanziger Jahre als Obdachlosenheim verwendet wurde. Während des 2. Weltkrieges waren hier Aachener Juden und später auch Zwangsarbeiter untergebracht. Ab April 1941 musste die jüdische Bevölkerung Aachens auf Befehl der Nazi-Behörden ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Sie wurde gezwungen, in sogenannte „Judenhäuser” zu ziehen. Das waren größere und kleinere Gebäude, die als Lager für diese Menschen eingerichtet worden waren. Judenhäuser befanden sich in Aachen in der Alexanderstraße, der Königstraße, der Eupener Straße, der Promenadenstraße, der Theaterstraße, der Försterstraße, im Drosselweg und auf Kalverbenden. Die Menschen lebten hier unter unvorstellbaren Bedingungen. Wo vorher vielleicht sechs Familien gelebt hatten, waren es nun mehr als doppelt so viele. Die kleinen Zimmer waren heillos überfüllt, es gab nicht genügend Toiletten und fast keine Küchen. Auch das Obdachlosenheim am Grünen Weg wurde in ein ”Judenlager” umfunktioniert. In den herunter-gekommenen Holzbaracken, mit völlig unzureichenden Sanitäranlagen und ohne jegliche Luftschutzmaßnahmen - es war Krieg - verbrachten viele Aachener Juden ihre letzten Wochen und Monate in der Heimat. Insgesamt sieben Deportationstransporte gingen von Aachen aus, davon vier vom „Lager Grüner Weg“. Am 22. März 1942 wurden 400 Menschen von dort zum Westbahnhof gebracht und bestiegen dort einen Zug in ein Vernichtungslager. Ob einer die Strapazen der langen Fahrt und die alltäglichen Quälereien im Lager überlebt hat, ist nicht bekannt.

Nachdem Ende 1942 die letzten jüdischen Aachener aus dem Lager Grüner Weg abtransportiert worden waren, wurden andere Menschen dort eingesperrt: Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Die waren meist aus den von der Deutschen Wehrmacht besetzten Ländern in Osteuropa, zum Beispiel Polen und der damaligen Sowjetunion, zur Arbeit nach Deutschland verschleppt worden. Das „Lager Grüner Weg“ befand sich in unmittelbarer Nähe zu den großen Industriebetrieben an der Jülicher Straße, in denen viele der Zwangsarbeiter schuften mussten. Bis ans Kriegsende waren hier bis zu 250 Zwangsarbeiter untergebracht. Zu Fuß und natürlich streng bewacht marschierten sie jeden Morgen vom Appell im Lager zum Arbeitseinsatz in die verschiedenen Betriebe und auf die Baustellen in der Stadt. Auch für diese Menschen hatten die Nazi-Behörden keine Luftschutzmaßnahmen getroffen. Im Gegenteil: Polnischen und russischen Zwangsarbeitern war es bei Strafe verboten, bei Luftangriffen auf die Stadt in Bunkern Schutz zu suchen. Im Juli 1944 wurden im Lager Grüner Weg neun Zwangsarbeiter vor den Augen der anderen erhängt – weil sie angeblich geplündert hatten. Aber es sollte wohl ein Exempel statuiert werden, um die Menschen einzuschüchtern, denn die Nachricht von der Landung der Alliierten in der Normandie hatte die Hoffnung auf baldige Befreiung genährt.