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13 - Groß-/ Kleinköllnstraße

Raub

Am 1. April 1933, einem Samstag, riefen die Nationalsozialisten in ganz Deutschland zu einem Boykott jüdischer Geschäfte, Anwälte und Ärzte auf. Boykott bedeutete, dass an diesem Tag niemand in die Geschäfte oder Praxen jüdischer Inhaber gehen sollte. Auch in Aachen führte die SA, die Schlägertruppe der Nazis, unterstützt durch die Hitlerjugend, diese Aktion durch. Die anderen Aachener, die keine Juden waren, sahen den Aktionen tatenlos zu, auch wenn sie vielleicht nicht damit einverstanden waren. An die Fensterscheiben der betroffenen Geschäfte hatte man Davidsterne gemalt. Vor den Eingängen standen Hitler-Jungen Posten mit Schildern, auf denen „Kauft nicht bei Juden“ oder „Wer noch bei Juden kauft, wird kostenlos fotografiert.“ zu lesen war. Damit wurden die meisten Aachener eingeschüchtert, denn man konnte nur ahnen, was dann mit den Fotos passieren würde.

Dieser „Boykott-Tag“ wurde in dieser Form nicht mehr durchgeführt. Aber die Nazis kannten andere Mittel, jüdische Geschäftsleute zu drangsalieren. Schon 1933 gab es 45 Reichsgesetze und Verordnungen, die in diskriminierender Weise die Stellung der “Nichtarier”, damit waren vor allem Juden gemeint, im Deutschen Reich neu festlegten. Aber das war nicht das einzige. Im Laufe der dreißiger Jahre gab es immer wieder Ausschreitungen gegen Juden und heftige Propagandakampagnen.

In Tageszeitungen wie dem „Westdeutschen Beobachter“ in Aachen wurden zum Beispiel im Frühjahr 1934 Pläne der wichtigsten Geschäftsstraßen veröffentlicht, in denen Geschäfte verzeichnet waren, die die Zeitung ihren Lesern besonders empfehlen wollte. Die Geschäfte jüdischer Inhaber waren besonders markiert, mit der Aufforderung, dort nicht zu kaufen. Nicht alle Aachener hielten sich an diese Aufforderungen.

Noch im September 1935 hieß es in einem Bericht der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Aachen:
“... ist die katholische Bevölkerung Juden allgemein gegenüber weitgehendst duldsam und lehnt, soweit es sich um einzelne Juden handelt, jegliche Maßnahmen entschieden ab. ... Auch der Schreibweise des “Stürmer” [der Stürmer war eine schlimme Hetzzeitschrift der Nazis] wird wenig Verständnis entgegengebracht.”

Schon zu diesem Zeitpunkt versuchten die Nazis, jüdischen Besitzern ihre Geschäfte wegzunehmen. Bekanntestes Beispiel für eine damals so genannte „Arisierung“ ist die Leonard Tietz AG mit Sitz in Köln, die auch in Aachen am Markt eine Filiale besaß. Die neuen Besitzer, alle den Nazis genehm, benannten das Unternehmen am 11. Juli 1933 in „kaufhof AG“ um.

Tafeltext

Am 1. April 1933 bezogen in Aachen um 10 Uhr SS- und SA-Männer Posten vor jüdischen Geschäften und vor Praxen jüdischer Ärzte und Anwälte. „Kauft nicht bei Juden!“ lautete ihr diffamierender Aufruf. Ab 1938 wurden zahlreiche jüdische Geschäfte, Firmen und Privatbesitz „arisiert“. Das bedeutet, widerrechtlich zugunsten nicht jüdischer Deutscher enteignet oder weit unter Wert verkauft. Bis schließlich die Menschen selbst vertrieben, deportiert und ermordet wurden.